Mit kreativer Kraft die Unsicherheit meistern

von Martin Blach

Die Coronakrise hat die Unsicherheit für uns alle verstärkt. Und zu einer wahren Kreativitätsexplosion geführt. Jetzt gilt es für Entscheider*innen, mit den richtigen Schritten die eigene Organisation mithilfe einer kreativen Kultur fit für diese unsichere Zukunft zu machen. Zehn Punkte sind aus meiner Sicht als Unternehmer relevant.

Kreativität meint damit nicht nur Kreation, wie sie zum Beispiel in meiner Branche, der Kommunikation und Werbung, vorkommt. Mein Begriff von Kreativität geht weiter. Er steht für geistige Beweglichkeit, stetigen Austausch, kontinuierliches Suchen nach Lösungen, kollektives Lernen, Dinge zusammenbringen, die vordergründig nicht zusammengehören und daraus Neues entwickeln. Für Unternehmen bedeutet das: Jeder kann Ideen haben, die erfolgreich machen – vom Pförtner bis zum CEO. Dieses umfassende Verständnis von der Kreativität aller nennen wir in der Hirschen Group Total Creativity. Wir sind überzeugt: Diese Kreativität ist die Antwort auf die Herausforderungen von Digitalisierung und Globalisierung.

Corona brachte die Kreativitätsexplosion

Die vergangenen Krisenmonate haben uns allen deutlich gezeigt, dass wir kreativ und flexibel sein können, wenn wir müssen. Ohne jede Vorbereitung mussten wir Dinge anders machen, uns anpassen, Lösungen für neue Probleme finden. Wir alle haben auf verschiedenen Ebenen Kreativierungserfahrungen gemacht – privat, beruflich, gesellschaftlich.

Reicht das schon aus? Auf keinen Fall! Jetzt geht es darum, das Gute ins neue Normal mitzunehmen, die kreative Transformation der eigenen Organisation zur Normalität zu machen.

Eine Sache steht für mich dabei fest: Sicher ist momentan nur die Unsicherheit. Und die wird so schnell nicht weggehen. Sie wird unser ständiger Begleiter.

Unsere negativen Reaktionen auf unsichere Umstände sind Angst und Überraschung. Das ist normal, aber wenig hilfreich, um nach vorne zu gehen. Für Entscheider*innen heißt das: Unsere normalen Kontrollmechanismen wie jährliche Businesspläne helfen uns nicht mehr weiter. Unternehmen müssen jederzeit in der Lage sein, sich auf neue Situationen einzustellen. Wenn Unsicherheit das neue Normal ist, dann kann es keine Kontrolle mehr geben. Mit dieser Erkenntnis gilt es für Entscheider*innen positiv umzugehen.

Deshalb bin ich als Unternehmer überzeugt, dass es eine neue, kreative Kultur in Organisationen braucht, mit der wir die Unsicherheit erfolgreich managen können. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.

Kreative Transformation der Organisationskultur

Wie kommt man zu einer kreativen Unternehmenskultur? Für mich stehen dabei zehn Punkte im Fokus, die ich Entscheider*innen in Organisationen mit auf den Weg geben möchte:

  1. Laufen lassen, oder wie man in meiner Wiener Heimat sagt: „Lass‘ einfach rinnen!“ Warum? Kreativität braucht Freiheit und Raum, um sich zu entfalten. Entscheider*innen müssen dafür sorgen, dass sich ihre Organisation als Ganzes positiv darauf einlässt. Daraus folgt:
  2. Als Unternehmer*in muss ich meinen Leuten und auch mir selbst etwas zutrauen. Gefragt ist eine Kultur im Unternehmen, die jedem einzelnen und dem Kollektiv zutraut, dass die wesentlichen Dinge am Ende gut funktionieren werden. Die letzten Monate haben bewiesen, dass sehr viel in sehr vielen Unternehmen auch in Extremsituationen und mit dezentralem Arbeiten funktioniert hat.
  3. Nicht jede Idee ist gut. In Wahrheit sind acht von zehn Ideen Mist. Darauf muss man sich einlassen und das akzeptieren. Für den einzelnen bedeutet das, eine gewisse Frustrationstoleranz zu haben. 90 Prozent der eigenen Ideen landen im Mülleimer, das muss man aushalten können. Und das ist z.B in der Werbebranche völlig normal. Daraus ergibt sich:
  4. Organisationen brauchen mehr Probier-Freude und müssen alles gleichzeitig machen. Wer wegkommt von linearen Prozessen und es z.B. schafft, fünf Prototypen parallel zu entwickeln, der wird am Ende einen haben, der durchkommt. Denn es gibt in unsicheren Zeiten nicht das eine Patentrezept. Man muss Dinge parallel denken. Strategie, Kreative und Vertrieb müssen gemeinsam gehen und bereit sein, alles zu probieren, auch mit knappen Ressourcen. Oder wie aktuell in der Pharmabranche: Während noch am Covid-Impfstoff geforscht wird, bauen Unternehmen ihre Produktionskapazitäten aus, ohne zu wissen ob ihr Mittel am Ende das Rennen machen wird. Das setzt auch Geschwindigkeit voraus:
  5. Allerspätestens seit Corona haben es alle gemerkt: Schnelligkeit ist die neue Währung und gehört unmittelbar zur kreativen Kultur. Alle „Yes, but…“- und „Nay-Sayer“ sind der Tod von Kreativität.
  6. Reden, Reden, Reden. Der Geistesblitz des einsamen Genies bringt heute nicht mehr die erfolgreichen Innovationen hervor. Ideen entstehen im Miteinander, im „Drüber reden“. Sie müssen sich hochschaukeln, aufbauen und das geht nur im Dialog, in kritischer Diskussion. So werden Ideen besser, werthaltiger gemacht. Das Korrektiv ist das Team, nicht mehr die Hierarchie. Denn in der kommen viele Ideen in der Organisation leider nicht durch. Führungskräfte sind also idealerweise weniger Bewerter und mehr Moderatoren dieses Ideenfindungsprozesses. Plus: Ideen kommen schneller voran, wenn viele Menschen direkt mitgenommen werden. Für Unternehmen heißt das: Die Innovationsabteilung im Silo, die Black Box, bringt’s nicht.
  7. Räume neu denken. Wir Menschen sind physische Wesen. Wir müssen uns begegnen, damit wir gemeinsam Neues schaffen können. Im Lock-Down haben wir gemerkt, dass wir sehr gut alleine arbeiten können. Aber um kreativ zu sein, müssen wir miteinander reden. Das hat sich durch Corona mit seinen Abstandsgeboten nicht grundsätzlich verändert. Die gemeinsame Freude an etwas ist eine Grundvoraussetzung für das kreative Nach-vorne-Kommen. Das macht Begegnungsräume zu Kultur-Bildnern und relevanten Gestaltungsfaktoren einer Organisation. Sie sollen etwas mit den Menschen machen und müssen entsprechend dafür gebaut werden.
  8. Gute, ambitionierte Ziele setzen und im Auge behalten. Organisationen sind natürlich nicht kreativ im Sinne freischaffender Künstler, sondern im Sinne ihrer Organisationsziele bzw. ihrer Kunden. Jedes Unternehmen hat wirtschaftliche Ziele und auch Menschen wollen wachsen, sich weiterentwickeln. Nach Corona gilt es, die alten Ziele kritisch zu prüfen, sie vielleicht sogar radikal über Bord zu werfen und sich neue Ziele und entsprechende KPIs zu setzen. Ein Aspekt könnte zum Beispiel nachhaltigeres Wachstum in allen seinen Facetten sein. Die überprüften Ziele bilden den Korridor, der die Kreativität der Organisation einrahmt. Sie müssen entsprechend der herrschenden Unsicherheit immer wieder überprüft, wenn nötig angepasst und transparent mit den Mitarbeitenden kommuniziert werden. Entscheider*innen müssen bereit sein, dieses Thema mutig anzugehen.
  9. Hilfe holen. Dass wir uns als Unternehmer*in Hilfe holen, sollte mittlerweile selbstverständlich sein. Doch nicht nur in Form von klassischen Beratern, die mit Excelcharts und Businessplänen die ökonomische Brille aufhaben. Denn Kosten sparen oder Umsatz erhöhen allein reichen nicht mehr aus in unsicheren Zeiten. Organisationen brauchen eine kreative Kultur, um zukunftsfähig zu sein. Auch dabei ist es mit einem Design Thinking-Tool nicht getan. Auf ähnlichem Niveau wie es klassische Beratungen mitbringen muss die Organisation als Ganzes betrachtet werden. Die Menschen, die Räume, die Prozesse und Strukturen, die Kommunikation. All diese Komponenten sind Teil einer erfolgreichen kreativen Transformation, wie wir aus der Arbeit mit unseren Kunden bestätigen können.
  10. Als logischer Schluss folgt: Alles wird gut! Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch wenn er der natürliche Gegenspieler zur Unsicherheit ist. Entscheider*innen brauchen eine positive Grundhaltung, um den Weg hin zu einer kreativen Unternehmenskultur zu gehen und ihre Mannschaft mitzunehmen.

Kreativität als zentrale Ressource für Erfolg

Genährt werden meine Überzeugungen durch meine eigenen unternehmerischen Erfahrungen und den Austausch mit unseren Kunden. Wir selbst haben uns als Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren immer wieder neu erfunden, weiterentwickelt, im wahrsten Sinne des Wortes kreativiert. Und ähnliches haben wir auch bei unseren erfolgreichen Kunden festgestellt – über alle Branchen hinweg. Vom produzierenden Gewerbe über die Reisebranche bis hin zum Einzelhandel.

Deshalb sind wir überzeugt: Kreativität ist die zentrale Ressource für Erfolg – für Unternehmen in allen Branchen, für jeden persönlich und auch für die Gesellschaft insgesamt. 2018 habe ich gemeinsam mit meinen Co-CEOs Bernd Heusinger und Marcel Loko in unserem Buch Kreativiert Euch! mit vielen Beispielen aus aller Welt beschrieben, dass Unternehmen, die kreativ sind, erfolgreicher sind. Ähnliches gilt für Schulen und Universitäten, die der kreativen Entfaltung mehr Raum geben. Selbst bürokratische Institutionen haben wir gefunden, die sich kreativ gewandelt haben.

Deshalb fordern wir: Deutschland braucht eine kreative Transformation! In Unternehmen genauso wie im ganzen Land. Für Organisationen bedeutet das, eine Kultur, Strukturen und Prozesse zu entwickeln, in denen die kollektiven Ideen von allen zum Antrieb für Innovationen und Zukunftsfähigkeit insgesamt werden. Ideen müssen gefunden, gefördert und gefeiert werden. Den Prozess von einer Kreativität in Silos hin zu dieser kreativen Kollaboration innerhalb einer Organisation bezeichnen wir als Kreativierung bzw. Kreative Transformation. Die oben genannten Schritte sind ein Start in die richtige Richtung.

Dieser Artikel von Martin Blach ist zuerst auf wuv.de erschienen.

Diesen Beitrag teilen:

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin

weitere kreativierende Artikel: