Petra Kehr über die Future Week, kreative Vielfalt und optimistische Zukunftsforschung

von Agi Habryka & Daniel Auwermann

Petra Kehr musste ihr Kerngeschäft coronabedingt ordentlich umkrempeln. Aus dem analogen Future Day wurde die virtuelle Future Week des Zukunftsinstituts. Warum Optimismus der Treiber des Ganzen ist und wie die Zukunft erforscht werden kann, haben wir mit ihr im Kreativiert Euch-Podcast erörtert.

Aus analog wird digital – Corona bringt die Blitztransformation

Verschieben? Komplett absagen? Eigentlich veranstaltet Petras Team einmal im Jahr den analogen Future Day, auf dem verschiedenste Speaker zu gesellschaftlichen Zukunftsthemen diskutieren. Doch dann kam Corona und es war unklar, ob das Event im Juni so wie geplant stattfinden kann. Sie entschieden sich, aus dem analogen Tag eine virtuelle Future Week zu machen – mit einer Planungs- und Vorbereitungszeit von wenigen Wochen. Herausgekommen ist die erste virtuelle Post-Corona-Konferenz. Mit Top-Speakern wie Niko Rosberg, Sara Nuru, Philipp Westermeyer, Robert Habeck und vielen mehr. Rund 2500 Teilnehmer*innen fanden das spannend und verfolgten die „50 Stunden Optimismus“ online. Eines von Petras persönlichen Highlights war der Psychologe Prof. Dr. Michael Lehofer, der schon im Vorfeld der Konferenz erläuterte, wie Corona uns als Menschen verändert.

Man wächst mit den Herausforderungen. Im Nachhinein betrachtet hat Corona Petra und ihr Team beim Thema Event-Digitalisierung um Jahre ins Voraus katapultiert: „Wir haben darüber gesprochen vor nem knappen Jahr. Wir haben gesagt ‚Wir wollen gerne tausende erreichen mit unserem Future Day.‘ Nicht mehr nur Hunderte mit einem analogen Event“, erinnert sie sich. Der Plan war damals: Wie können wir den Future Day 2023 oder 2025 erstmals digital veranstalten? Corona und die spontane virtuelle Future Week haben diese Zukunftsvision innerhalb weniger Wochen wahr werden lassen. Ein Riesenschritt. „Keiner hat sich das vorstellen können. Und es wäre noch nicht so weit, hätten wir die Entscheidungsfreiheit gehabt, es später zu machen“, sagt Petra.

Kreativität: Der Analytiker muss mit dem Träumer reden

Die Mammutaufgabe gelang trotz Kreativitätshürden. Denn für Petra ist es wichtig, sich mit vielen verschiedenen Menschen auszutauschen, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Man neigt gerne dazu, sich mit seinesgleichen zu umgeben. Aber das bringt aus ihrer Erfahrung nichts. Viel schwieriger wird es nur, wenn man versucht, die Dinge alleine durchzukauen. „Man muss als Analytiker mit dem Träumer reden und dann entsteht daraus was Großartiges“, sagt sie.

Doch dieser Austausch mit den Kolleg*innen fand durch Corona im Homeoffice nicht mehr statt: „Auf einmal stellt man fest, dass das, was so ein Team auch ausmacht, was Kreativität bewirkt, nämlich das Zusammensein, einfach ohne dass ein Meeting angesetzt ist und man sich auf dem Bildschirm sieht, das einfach-zusammen-sein, zusammen machen, essen, Spaß haben, dass das als Kreativitätsbooster absolut entfällt. Das hat schon echt wehgetan zwischendurch.“

Optimistische Zukunftsforschung

Wir machen einen Cut. Denn bevor Petra sich auf Events wie Future Day und Future Week konzentrierte hat sie lange Jahre das Zukunftsinstitut geleitet. Da wollten wir natürlich von ihr wissen, was diese Organisation genau macht.

Ganz wichtig für Petra dabei: Die Triebfeder des Zukunftsinstituts ist Optimismus. „Wir wissen ja alle, bad news is good news. Eigentlich zählen immer nur die Katastrophenmeldungen. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, das Positive zu betonen und mehr in den Vordergrund zu bringen. Das ist unsere Vision“, erklärt sie.

Die Expert*innen des Zukunftsinstituts betreiben Trend- und Zukunftsforschung. Sie untersuchen den gesellschaftlichen Wandel. Und dabei betrachten sie das große Ganze. Dabei spielen die sogenannten Megatrends eine wichtige Rolle. Dazu zählen etwa Gesundheit, Nachhaltigkeit, Individualisierung und einige weitere. „Diese Megatrends haben einen großen Impact, nicht nur hier, sondern weltweit. Vielleicht in unterschiedlicher Ausprägung, wie zum Beispiel Gendershift oder Mobilität“, erklärt Petra. Aber wichtig ist, dass diese Trends alle miteinander interagieren. Petra und ihre Kolleg*innen sprechen von Lawinen in Zeitlupe, denn die Megatrends kommen langsam, bleiben lange und wirken sehr langfristig, bis zu 50 Jahre. Außerdem betreffen sie eigentlich alle Bereiche unseres Lebens – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich.

Natürlich arbeiten im Zukunftsinstitut keine Wahrsager. „Wir können die Zukunft nicht voraussagen, dann wären wir alle schon reich und müssten nicht mehr arbeiten. Aber wir können fundierte Annahmen treffen, mit denen Unternehmen und auch Menschen gut arbeiten können“, erklärt Petra. Zukunftsforschung ist deshalb sehr stark auch Gegenwartsforschung: „Wir gucken auf das, was da ist. Das sind die Zeichen des Wandels. Und die analysieren wir, um eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie sie sich auf die Zukunft auswirken und was daraus alles entstehen könnte.“

Der Mix an Tools führt dann zum Bild von der Zukunft: Neben Desk Research stehen oft Experteninterviews sowie die Analyse von Statistiken im Fokus der Trendforschung. Hinzu kommen dann Tools wie die Megatrend-Systematik oder die sogenannte Lazy 8. Einige Berater*innen haben mit dem Future-Room-Konzept eine weitere Methode entwickelt. Kunden aus der Baunindustrie wollen dann zum Beispiel wissen, wie sich zum Beispiel die Megatrends Mobilität und Gesundheit auf ihre Branche auswirken.

 

Mehr zu Petra Kehr:

Die studierte Betriebswirtin war 13 Jahre lang beim Zukunftsinstitut tätig. Viele Jahre davon hat sie die Forschungsorganisation geleitet. Für die Future Day GmbH kümmert sie sich seit 2019 als CEO um die Trainings und Events des Zukunftsinstituts.

Das ganze Gespräch mit Petra im Kreativiert Euch-Podcast hört ihr hier.

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