Christian Heintze erklärt, wie eine Insolvenz zur kreativen Transformation wird

von Agi Habryka & Daniel Auwermann

Insolvenz – das klingt nach roten Zahlen, Unsicherheit, Anspannung und Zukunftsängsten. Stimmt. Aber unser jüngster Podcast-Gast Dr. Christian Heintze hat uns erklärt: Als Insolvenzverwalter begleitet er selten das Ende und häufig den Neuanfang eines Unternehmens. Sein Erfolgsrezept: Krisen überwindet man im Team, mit offener Kommunikation und kreativen Lösungen.

Wenn der Insolvenzverwalter vor der Tür steht…

…ist es schon zu spät. So oder so ähnlich denken bestimmt viele. Doch das muss nicht sein. Christian und seine Kolleg*innen kommen auch vorher schon ins Spiel. Denn sie begleiten Unternehmen in Krisensituationen, nicht erst, wenn die Insolvenz ansteht. Denn die Zahlungsunfähigkeit lässt sich oft abwenden, wenn Entscheider*innen bereit sind, sich professionelle Hilfe zu holen.

Und selbst wenn es zur Insolvenz kommt, heißt das selten, dass ein Unternehmen dicht gemacht wird, viel öfter hilft Christian dem Management, die Organisation wieder neu auszurichten, zu transformieren.

Egal welche Branche, egal welche Organisation, Christians Rezept ist immer gleich: Verstehen, was die Idee bzw. das Geschäftsmodell des Unternehmens ist!

Dabei stehen dann vier Facetten im Fokus:

  • Wie steht es um die betriebswirtschaftliche Lage? Wie kommt Geld rein und wofür geht es raus?
  • Wie steht es um die Finanzierung? Wie lief das in der Vergangenheit? Mit welchen Investoren und Gläubigern kann ich wie sprechen?
  • Wie ist die Organisation aufgestellt? Wie wird geführt?
  • Wie und was funktioniert in der Produktion und bei den Produkten besonders gut?

Und was ist daran kreativ?

Vieles, sagt Christian. Gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Mitarbeiter*innen werden Ideen entwickelt, wie es im Unternehmen weitergehen kann, wie man kurzfristig Dinge lösen kann und langfristig wieder Perspektiven schafft.

Wer hat Schuld?

In vielen Fällen tragen Management-Fehler zu Krisen und Insolvenzen bei. Aber es geht für Christian nicht darum, den Buhmann zu finden. Es geht oft um zweite Chancen. Wir brauchen in Deutschland eine offenere Fehlerkultur, findet er. Im angloamerikanischen Kontext ist man da oft schon weiter.

Und besonders in der aktuellen Corona-Krise geraten viele Unternehmen völlig unverschuldet in Schieflage. Christians Appell an Unternehmer*innen: Holt euch nicht erst Hilfe, wenn es zu spät ist. Setzt euch hin, prüft eure Businesspläne, werdet kreativ und richtet euer Unternehmen neu aus!

Transparente Führung ist gefragt

Was hilft Unternehmen, auch schwierige Zeiten durchzustehen und sich weiterzuentwickeln? Ganz vorne steht eine Führung, die bereit ist, offen und ehrlich, aber trotzdem immer professionell, in alle Richtungen zu kommunizieren und sich die Unterstützung holt, die sie dafür braucht. Ohne transparente Kommunikation lässt sich verlorenes Vertrauen zwischen Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber, zwischen Gläubiger und Schuldner nicht wieder herstellen.

Was wir aus dem spannenden Gespräch mitnehmen:

Wir sind alle nur Menschen. Jede Krise birgt eine Chance. Es geht immer um Kommunikation. Und Reden hilft.

Mehr zu Christian Heintze:

Dr. Christian Heintze ist Partner bei BBL und berät als Rechtsanwalt Unternehmen in Krisensituationen, um Insolvenzen abzuwenden, übernimmt als Insolvenzverwalter Verantwortung und nutzt seine mehr als 20-jährige Erfahrung, wenn er für Investoren mit Insolvenzverwaltern verhandelt.

Mehr Infos zu Christians Arbeit findet ihr hier.

Im Zusammenhang mit der Coronakrise hat Christian angesprochen, dass sich durch die EU-Restrukturierungsrichtlinie einiges ändert in Sachen Unternehmenstransformation. Ein Insolvenzverfahren ist nicht mehr die einzige Option. Ihr wollt mehr darüber erfahren? Hört doch mal in Christians Podcast restruct.law rein.

Den Podcast mit Christian Heintze und uns könnt ihr hier anhören.

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