Tabu-Thema Kündigungen – geht das auch anders?

von Sina Wellschmiedt

In der Hirschen Group verstehen wir uns als kreative Organisation. Wie drückt sich dieses Selbstverständnis in der Arbeit des Teams People & Organization aus? Was heißt es zum Beispiel, kreativ und empathisch an das Thema Entlassungen heranzugehen?

Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Kreativierung, also mit unserer stetigen Entwicklung als kreativ agierende Organisation. Viele erfolgreiche Unternehmen machen es vor. Unsere Gründer Martin Blach, Bernd Heusinger und Marcel Loko haben in ihrem Buch Kreativiert Euch! verschiedene Beispiele für kreative Organisationen zusammengetragen.

Um als Unternehmen in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir in ständiger Bewegung bleiben. Nicht nur in unserer Arbeit, sondern auch in unserer Organisation. Das erfordert ein bestimmtes Selbstverständnis, eine bestimmte Haltung, mit der man Herausforderungen angeht. Darin steckt für mich sowohl eine Chance als auch die Aufforderung, sich frei zu machen von bestehendem Wissen und auf vermeintlich bekannte Situationen immer wieder neu zu schauen. Flexibel im Kopf zu sein und sich mit hoher Empathie auf Menschen und Situationen einlassen. Auch das ist für mich ein wichtiger Teil unserer Kreativierung.

Kreativ agieren in der Organisation

Für unsere Arbeit im Team People & Organization drückt sich diese Haltung auf unterschiedliche Weise aus.

Inhaltlich geht es für uns vor allem darum, andere Menschen zu befähigen, ihren Job bestmöglich zu machen. Deshalb steht bei jedem Projekt zuallererst die Frage, was die Organisation wirklich von unserem Team benötigt, wovon alle profitieren. Dabei kann herauskommen, dass nicht alle das Gleiche brauchen, dass ein Konzept, wie zum Beispiel Vertrauensurlaub, nicht in jeder Agentur das richtige Modell ist. Und das ist dann auch völlig in Ordnung. Wir gucken, was für wen passt und denken die Dinge individuell neu, je nach Situation. Dabei lernen wir kontinuierlich voneinander und ändern auch bestehende Modelle immer wieder. So entsteht unser Mix aus unternehmerischer Freiheit für die einzelnen Standorte und Teams einerseits und den Holding-Support andererseits, der uns als Plattform für kreatives Unternehmertum, ausmacht.

Unser Metathema auf Holdingebene ist dabei immer die Förderung von Kollaboration, Menschen zu vernetzen und die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort zusammenzubringen. Wir unterstützen unsere Kolleg*innen mit Ideen, wie man an Herausforderungen herangehen kann. Im besten Fall werden wir als People-Team dadurch überflüssig. Weil wir es dann geschafft haben, die Kraft zurück ins Zentrum zu geben und dann alle befähigt sind, die Dinge selbst zu lösen. Das Potenzial der Menschen liegt eben in ihnen selbst und nicht irgendwo außerhalb. Eine dieser Herausforderungen, die es regelmäßig zu meistern gilt, ist das Thema arbeitgeberseitiger Kündigungen.

Agenturalltag Entlassungen – wie Empathie und Kreativität helfen

Wir wissen alle, wie unsere Branche tickt. Kunden fragen immer häufiger kurzfristige Projektgeschäfte an, die Personalplanung wird für uns in den Agenturen immer komplexer. Und ein Team, das für den Kunden X perfekt war, wird für den Kunden Y vielleicht nie so perfekt sein. Neben aller natürlich notwendigen Kontinuität lebt unsere Arbeit auch von einer gewissen Fluktuation. Sie bringt neue Impulse, die uns für unsere Kunden innovativ und kreativ sein lässt. Wir brauchen immer wieder neue Menschen, die uns hinterfragen und neuen Input geben, um langfristig unternehmerisch erfolgreich zu sein.

Nicht nur im Fall von arbeitgeberseitigen Kündigungen gilt: Niemand will schwierige Einzelschicksale schaffen. Doch wenn man einen Millionenetat verloren hat und nicht direkt einen Anschlussetat gewinnt, dann gehört es zum Agenturleben dazu, dass man auch mal ein paar Kolleg*innen auf einmal entlassen muss. Das wissen die Mitarbeitenden dann auch. Im Ergebnis heißt das: Durchschnittlich bleiben die Menschen in der Agenturbranche weniger als drei Jahre bei einem Arbeitgeber. Deshalb bin ich großer Fan davon, auch hier Mut zu beweisen und diese Dinge so transparent wie möglich zu besprechen.

Essentiell für uns ist dabei der wertschätzende und respektvolle Umgang miteinander: Es gibt kein Schema F. Wir schauen uns immer die Situation der einzelnen Betroffenen an. Hat jemand gerade ein Kind bekommen, ein Haus gebaut oder vielleicht pflegebedürftige Angehörige? War jemand lange krank und ist sowieso schon in einer schwierigen Phase? Für wen können wir etwas tun? Gibt es eine Lösung zwischen „jemand darf bleiben und jemand muss gehen“? Finden wir einen kreativen Weg? Wollte jemand vielleicht schon länger ein (einjähriges) Sabbatical machen, dann wäre jetzt natürlich ein guter Zeitpunkt dafür. Welchen Bedarf haben die Schwesteragenturen aktuell? Passt da vielleicht jemand, dem wir durch einen internen Wechsel eine neue spannende Perspektive eröffnen können?

Für ein Gros der Menschen, die bei uns arbeiten, gibt es aktuell eine gute Situation auf dem Arbeitsmarkt. Wer doch Schwierigkeiten hat, dem versuchen wir unter die Arme zu greifen und passende Lösungen zu finden. Das funktioniert natürlich auch bei uns nicht in jedem Fall reibungslos, aber in den allermeisten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei: Sich „sauber und fair“ zu trennen bildet auch eine Grundlage auf der Mitarbeitende in die Gruppe zurückfinden können, wenn sich entsprechende Möglichkeiten bieten. Dafür haben wir bei uns viele gute Beispiele.

Kündigungen werden nie das neue Lieblingsthema sein. Schön wäre aber, wenn wir in unserer Arbeitswelt, in der wir zum Glück heute auf Augenhöhe agieren, auch diese manchmal unumgänglichen Situationen mit Respekt, Wertschätzung, Empathie und Kreativität gemeinsam lösen.

Dieser Artikel von Sina Wellschmiedt ist zuerst auf Xing erschienen.

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